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Schnepp Renou

Suhrkamp Ensemble Die Bücherscheune im Video

Die namengebenden Scheunen existieren schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts nicht mehr. Die Bezeichnung „Scheunenviertel“ für die ursprünglich lediglich acht engen Gassen ist aber noch heute lebendig. Bundschuh Architekten führen im Video durch das neue Verlagsgebäude von Suhrkamp.

Das neue Suhrkamp Verlagshaus: Im Gespräch mit Roger Bundschuh und Martin Jacobs

Schnepp Renou

Städtebaulicher Hintergrund

Sie geht auf die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück, als hölzerne Gebäude wegen der Brandgefahr vor die Stadtmauern wandern mussten. Nach langen Jahren der Vernachlässigung zu DDR-Zeiten schlugen in den frühen 1990er Jahren Rettungswillige Alarm, die das Viertel rund um die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz gegen Spekulanten aus dem Westen verteidigen und zugleich an die Vergangenheit mit seinem günstigen Wohnraum und dem quirligen Nebeneinander von Theatern, Galerien, Cafés und Läden anknüpfen wollten. Letzteres ist gelungen, wenn auch diese Filetadresse im angesagten Berlin-Mitte längst das Gegenstück zum ehemaligen Arme-Leute-Viertel geworden ist. 

Bebauungskonzepte für eine langjährige Brachfläche

Umso überraschender, dass zwei prominente Grundstücke an der Einmündung der Rosa-Luxemburg- in die Torstraße seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs brachlagen. Auf das eine haben Bundschuh Architekten bereits 2010 das Galerie- und Wohnhaus „L40“ gesetzt. Seit 2019 bestimmt das Suhrkamp-Ensemble die Leerstelle gegenüber. Obwohl keine Zwillinge – das L40 ist ein scharf geschnittener anthrazitfarbener Betonbau, der Neuzugang ein ungleich helleres Gebäude, an dem sich Sichtbeton mit aluminiumverkleideten Flächen abwechseln – bilden die beiden eine Art Tor und klären die zuvor ausgefranste Situation.

In der Tradition Poelzigs

Der Städtebau beschäftigte Roger Bundschuh sehr, schon wegen Hans Poelzigs Erbe: Nach einem gewonnenen Wettbewerb realisierte dieser 1928/29 einige der acht geplanten Wohngebäude nebst Lichtspielhaus, dem verändert noch existierenden Kino Babylon. Poelzig entschied sich ganz zeitgemäß für dynamische Rundungen auf den teils spitzwinkligen Grundstücken, durfte sie aber nicht ganz so rasant durchführen. Auch die heutige Suhrkamp-Adresse hatte er bebaut. Die IBAU AG, die hier bereits seit 1912 aktiv ist und auch die verbliebenen Poelzig-Gebäude verwaltet, war wie beim L40 die Auftraggeberin, dieses Mal zunächst für eine städtebauliche Reparatur. Die Verlagsgruppe um Suhrkamp als künftige Nutzerin kam kurze Zeit später hinzu. Die eigene Erinnerung oder heute noch der Spaziergang auf Google Earth zeigen den jahrzehntelangen Zustand einer baumbestandenen Grünfläche, die bei Bundschuhs Überlegungen eine große Rolle spielte. Zwar mussten Bäume gefällt werden und der Anwohnerprotest ließ nicht lange auf sich warten, doch ist er inzwischen wieder verstummt, denn als Freiraum bleibt der unbebaute Teil der Fläche öffentlich und reiht sich in die Abfolge kleiner Grünräume bis zur Volksbühne ein. Das Restaurant im Erdgeschoss weitet sich bis auf den Platz aus.

Konzept und Umsetzung

Bundschuh nennt seinen Ansatz heterarchisch: Statt einer geschlossenen Blockrandbebauung öffnete er das l-förmige Ensemble aus Wohnhaus und flachem Verbindungsbau an der Südostseite und langem Schenkel mit dem Verlagshaus an der Nordseite vollständig nach Süden. „Das Haus hat keine Rückseiten“, das war ihm wichtig. Ein wenig relativiert wird dieses Anliegen dadurch, dass die Nordfassade trotz großer Fenster der Torstraße ein sehr glattes, strenges Gesicht zeigt. Hier bleibt man nicht unbedingt stehen. Zur anderen Seite gibt sich der Bau umso einladender, vor allem wenn durch die schaufenstergroßen Scheiben abends das Innenleben herausleuchtet. Das und auch die sehr überlegte Setzung des Hauses lassen sich beim Rundgang überzeugend nachvollziehen. Die unaufgeregten Gebäudeknicke folgen den vorgegebenen Linien der Straße und des Gehwegs und verknüpfen sie, für Passanten eher intuitiv als bewusst spürbar, exakt mit deren weiteren Verlauf.

Inneraumgestaltung durch Kinzo

Das Buch und das Regal als sein raumbildender Aufbewahrungsort waren für die Planer von Kinzo das Leitmotiv für die Innenraumgestaltung. Sie führten Regale statt Wände durch das gesamte Haus, schufen durch die mäandernde Anordnung zusätzliche kleine Rückzugs- und Telefonräume in der Schicht zwischen den Einzel- und den Gruppenbüros und – der eigentliche Zweck – trotz der deutlich kleineren Fläche im neuen Verlagshaus knapp 5000 Regalmeter in unterschiedlichen Tiefen. Dort leuchten einem selbstverständlich die Regenbogenrücken der Willy-Fleckhaus-Reihe entgegen, und auch die schmalen, edlen Inselbände reihen sich hier auf.

Licht und Mobiliar

Beruhigend die Lücken hier und da: Es ist noch Platz für künftige Buchgenerationen. Die Lichtschienen an der Decke folgen der Bewegung der Regale, unterstützt durch ein dort integriertes Leuchtsystem. Die festen Einbauten auf den Etagen sind weiß beschichtet, tiefe Einschübe für Ordner, der Empfangstresen sowie das teils mobile Mobiliar in gemeinschaftlich genutzten Räumen bestehen aus schlichter Seekiefer.

Hochwirksame Akustik

Zu den Gemeinschaftsräumen gehören auch die Teeküchen und Besprechungszimmer, die im Wechsel an der spitzwinkligen Nordecke nahe der narrativen Treppe angeordnet sind. Die Akustik war ein sehr wichtiges Kriterium für den Verlag, der auf „klösterliche Arbeitsatmosphäre“ Wert legt. Die Bücherwände erwiesen sich dafür als beinahe zu effektiv: Tatsächlich wird inzwischen das Einspielen eines künstlichen Grundrauschens erwogen. Beim Rundgang an einem eiskalten Samstagvormittag herrschte kontemplative Ruhe, ein reizvoller Gegensatz zu den weiten Blicken in die außerhalb von Corona-Zeiten lebhafte Nachbarschaft.

Schnepp Renou

Grohe im Suhrkamp Ensemble

Mit der Kombination von GROHE Blue Professional und GROHE Red Mono steht gefiltertes, gekühltes und auf Wunsch sprudelndes sowie kochend heißes Wasser immer direkt aus der Armatur zur Verfügung. Das Design der offenen Küchenzeilen stammt von Kinzo.