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Foto: Hertha Hurnaus

Pflegewohnhaus Donaustadt Wien

Die Stadt Wien begegnet den aktuellen wie zu erwartenden demografischen Entwicklungen mit einem umfassenden Geriatriekonzept. Dem Leitsatz „Altern in einer angenehmen Atmosphäre mit hochqualitativer Pflege“ folgend, wurden in den letzten Jahren acht neue Pflegewohnhäuser mit sozialmedizinischer Betreuung realisiert. Eines davon ist das von Delugan Meissl Associated Architects, Wien, entworfene Pflegewohnhaus Donaustadt, in dem der Mensch mit seinen individuellen Bedürfnissen im Mittelpunkt steht.

Pflegewohnhaus Donaustadt Wien Delugan Meissl Associated Architects Foyer Foto Christian Brandstaetter Foto: Christian Brandstaetter
Die spezifische Raumgeometrie des Foyers ruft eher nach einer richtungslosen als nach einer linearen Formensprache. Diese wurde dann auf die Gestaltung der Beleuchtung, des Bodens sowie der Möblierung angewandt.

Wohnlichkeit statt Krankenhausatmosphäre, Wohnbereiche und ungestörte Rückzugsbereiche, lichtdurchflutete Ein- und Zweibettzimmer mit barrierefreien Loggien für ein naturnahes Verweilen charakterisieren das Pflegewohnhaus Donaustadt. Atrien und der mehr als 2.000 Quadratmeter große, barrierefrei erreichbare Garten lassen eine erlebbare Verbindung zur Außenwelt entstehen. Das Pflegewohnhaus im nördlichen Stadtgebiet von Wien ist keine medizinische Institution im herkömmlichen Sinne, sondern vielmehr ein Wohnhaus für pflegebedürftige alte Menschen, die auf eine umfassende medizinische Versorgung angewiesen sind. Bei ihrer Aufgabe haben sich die Architekten vor allem mit der Situation des langen Aufenthalts der Bewohner in Pflegeeinrichtungen auseinandergesetzt. Das in direkter Nachbarschaft zum Donauspital gelegene bereits bestehende Geriatriezentrum wurde von 2011 bis 2014 entkernt, erweitert und um einen Neubau ergänzt. Versehen mit einem neuen Kleid aus Stahl und Glas strahlt die äußere Erscheinung Gediegenheit und Klarheit aus. Diese Klarheit und Gediegenheit setzen Delugan Meissl Associated Architects im Inneren des Neubaus durch die durchgängige Anwendung der charakteristischen Materialität fort. Die zentral positionierte, eingeschossige Mittelzone bildet den repräsentativen, einladenden Eingangsbereich.

Es war uns sehr wichtig, dass die Patienten – aber auch die Betreuer und Besucher – von der Qualität der Umgebung profi tieren. Dabei haben wir auch berücksichtigt, wie unterschiedlich das Interesse der Menschen am Gemeinschaftsleben ist.

Delugan Meissl Associated Architects, Wien

Das Foyer stellt klare Sichtbezüge zu den Vertikalerschließungskernen der beiden Baukörper her. Die urbane Qualität des Inneren spiegelt sich in den Aufenthaltsräumen wider, die den Bewohnern je nach deren individuellem Bedürfnis die Wahl lassen, ob und in welcher Form sie am Gemeinschaftsleben teilnehmen wollen. Ausgehend von der Dichotomie zwischen Privatheit und Gemeinschaftsleben haben die Architekten im Gemeinschaftsbereich verschiedene räumliche und atmosphärische Situationen entlang eines Weges entwickelt. Alle Bereiche unterscheiden sich voneinander in Bezug auf Raumproportionen, Materialität und Außenbezüge und sind um die zentralen Innenhöfe organisiert, wo mobile Kunstinstallationen einen zusätzlichen visuellen Anreiz bieten.

Wie gelingt es, für Menschen, die aufgrund ihres Alters oder einer Erkrankung medizinisch und pfl egerisch rund um die Uhr versorgt werden müssen, ein Ambiente zu schaffen, in dem sie sich wohl und geborgen fühlen? Im Pflegewohnhaus Donaustadt gibt es ausschließlich lichtdurchflutete Ein- und Zweibettzimmer mit jeweils eigener Sanitäreinheit. Neben den Zimmern und Aufenthaltsräumen haben die Architekten bewusst Zonen des Übergangs geschaffen, die eine stufenweise Differenzierung zwischen öffentlich und privat erlauben.

Jedem Zimmer ist eine großzügige verglaste Loggia vorgelagert, die den Bewohnern das „Draußensein“ und damit das Genießen von Sonne und frischer Luft eröffnet. Auch hier spielt die Materialität eine bedeutende Rolle: Durch die Schichtung der teils beweglichen Holz-, Glas- und Textilelemente in den Loggienbereichen an den Fassaden lassen sich nicht nur diese Raumzonen individuell bespielen. Die Individualität führt zudem zu einer ablesbaren Veränderbarkeit der Fassaden von außen und verleiht dem klaren Baukörper einen wandelbaren und lebendigen Aspekt. Ergänzt wird das Freiraumangebot durch Terrassen, vielfältig bepflanzte Gartenzonen mit abwechslungsreicher Möblierung und Durchwegung, die in den privaten Grünzonen den Leitgedanken einer Identität stiftenden Architektur verräumlicht.

Objektdaten

  • Objekt Pflegewohnhaus Donaustadt, Wien
  • Wettbewerb Zweistufiger, EU-weiter Wettbewerb 2009, 1. Preis
  • Baujahr 2011–2014
  • Auslober Stadt Wien, vertreten durch Wiener Krankenanstaltenverbund, Teilunternehmung PWH, Wien
  • Architekt ARGE Delugan Meissl Associated Architects, Vasko + Partner Ingenieure ZT GmbH
  • Projektleitung Bernd Heger, Daniela Hensler
  • Nutzfläche 26.271 m²

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