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Foto: Marcus Ebener, Berlin

Staatsoper unter den Linden Berlin

Das Büro hg merz wurde 2009 mit der Grundinstandsetzung der Berliner Staatsoper Unter den Linden beauftragt. Das von König Friedrich II. im Jahr 1740 bei seinem Freund, dem Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, beauftragte Opernhaus wurde nach nur zwei Jahren Bauzeit eröffnet. Im städtebaulichen Ensemble des Forums Fridericianum kombinierte Knobelsdorff das ursprüngliche neopalladianische Langhaus mit verspielt friderizianischen Rokoko-Dekorationen im Innenraum. Nach einer langen Geschichte und zahlreichen Umbauten – vor allem bedingt durch Brände, Kriegsschäden und Anforderungsänderungen – wird das Ensemble aus Staatsoper, Intendanz und Probenzentrum seit September 2010 unter der Leitung von HG Merz saniert. Die Planung orientiert sich am Gestaltungskonzept von Architekt Richard Paulick, der die Staatsoper nach dem Krieg 1952–55 im Sinne von Knobelsdorff wiederaufbaute.

... eine magische Atmosphäre, die man an solch einem Ort auch erwarten darf.

Prof. Dr.-Ing. h. c. HG Merz, hg merz, Berlin / Stuttgart

HG Merz Portrait Frank M. Orel Foto: Frank M. Orel
Prof. Dr.-Ing. h. c. HG Merz

hg merz ist als Architekturbüro auf den Umbau und die Erweiterung historisch bedeutender Gebäude spezialisiert. Bauen im denkmalgeschützten Bestand und die Verknüpfung baulicher, konservatorischer und musealer Anforderungen bilden seit über 30 Jahren, neben der Ausstellungs- und Museumsgestaltung, den Fokus der Arbeit von hg merz. Als Gründer und Geschäftsführer von hg merz kuratiert Prof. Dr.-Ing. h. c. HG Merz seit über 30 Jahren Ausstellungen, konzipiert Museen, erstellt Masterpläne für Kulturinstitutionen und berät Auftraggeber und Architekten auf internationaler Ebene. Geschichte und Ereignisse dem Verstehen aufzuschließen, ist nicht nur das Ziel seiner Museumsprojekte, sondern auch der Leitfaden für die Restaurierung und Erweiterung historisch bedeutsamer Architektur. Neben seinem interdisziplinären Team steht HG Merz dabei ein enges internationales Netzwerk von Experten aus Architektur, Wissenschaft, Kunst und Design zur Seite.

Staatsoper Unter den Linden Sanierung HG Merz Richard Paulick Opernsaal Bühne Foto Marcus Ebener Foto: Marcus Ebener, Berlin
Farbpalette und Formenrepertoire Richard Paulicks sind wiederhergestellt: Nach einer langen Geschichte mit Zerstörungen und Umbauten wurde das Ensemble aus Staatsoper, Intendanz und Probenzentrum unter der Leitung des Architekturbüros hg merz umfassend saniert.
Staatsoper Unter den Linden Sanierung HG Merz Richard Paulick Opernsaal Nachhallgalerie Foto Marcus Ebener Foto: Marcus Ebener, Berlin
Die Nachhallgalerie zur Verbesserung der Akustik: ein Wunsch des Generalmusikdirektors Daniel Barenboim.

Interview mit HG Merz

Im Rahmen eines VOF-Verfahrens konnten Sie sich gegen die anderen Bewerber durchsetzen. Was hat Ihrer Meinung nach dazu geführt?

Hier hat sicherlich unsere Erfahrung mit der Sanierung der Alten Nationalgalerie, des Staatsratsgebäudes und der Staatsbibliothek Unter den Linden den Ausschlag gegeben. Bei all diesen sensiblen Projekten in Berlin-Mitte haben wir mit den Denkmalschützern immer sehr kollegial zusammengearbeitet. Ich denke, sie schätzen unsere respektvolle und in vieler Hinsicht uneitle Haltung gegenüber Baudenkmälern.

Könnten Sie bitte die Maßnahmen, die am Ensemble der Staatsoper von Ihrem Büro seit 2010 ausgeführt wurden, beschreiben?

Das Operngebäude wurde im Bühnenbereich komplett entkernt, zu einer Kreuzbühne erweitert und aufwendig abgedichtet. Den Zuschauerbereich haben wir mitsamt den Umgängen sehr behutsam restauriert. Das Intendanzgebäude, in dem sich die Verwaltung mit den Büros befi ndet, haben wir klassisch saniert. Das Probenzentrum mussten wir innerhalb der historischen Fassade komplett neu planen. Hierfür wurde das ehemalige Magazingebäude zu zwei Dritteln abgerissen. In den Neubau wurden zwei große Probensäle integriert, in welchen mit Originalkulissen und -akustik des Bühnenraums geprobt werden kann. Außerdem befinden sich hier kleinere Probenzimmer für Chor, Ballett und Orchester. Ein unterirdisches Bauwerk verbindet das Probenzentrum mit der Oper – es ist gleichzeitig Transportweg für die Bühnendekoration und Werkshalle. Es wurde von uns erneuert und ausgebaut – im Bestand befand sich hier lediglich ein Fußgängertunnel. Das Bauwerk ist nicht sichtbar, jedoch ein großer Teil unserer Arbeit.

Die Staatsoper ist eins der bedeutendsten Bauwerke aus der Wiederaufbauphase der DDR und damit auch eine ganz wichtige Zeugin der Nachkriegsgeschichte.

HG Merz

Auf besonderen Wunsch von Daniel Barenboim, Generalmusikdirektor der Staatsoper, wurde die Akustik der Zuschauerhalle verbessert: Die Nachhallzeit konnte von 1,1 auf 1,6 Sekunden gesteigert werden. Welche Eingriffe waren notwendig?

Die Staatsoper hatte noch nie eine gute Akustik, auch unter Knobelsdorff nicht: 1,1 Sekunden – das geht für Mozart, aber für Wagner zum Beispiel brauchen Sie mindestens 1,6 Sekunden. Die Steigerung geht nur über eine Erhöhung des Volumens bzw. eine Reduzierung von Zuschauern oder wir könnten allen Besuchern einen Harnisch anziehen, wenn Wagner gespielt wird – auch eine Methode … (lacht). Man musste also das Raumvolumen von 6.500 auf 9.500 Kubikmeter erhöhen – diese 3.000 Kubikmeter konnten wir nicht erreichen, indem wir das Dach anheben – das durften wir aufgrund der städtebaulichen Vorgaben nicht. Das heißt, wir mussten die Saaldecke erhöhen, was durch den Einbau eines schlankeren Dachtragwerks möglich war. Der Übergang zum dritten Rang wurde mit einer sogenannten Nachhallgalerie überbrückt, die zusätzliche akustische Wirkung hat.

Warum entschied man sich für die Rückführung auf die Paulick’sche Gestaltung im Rahmen der Sanierung?

Die Staatsoper ist eins der bedeutendsten Bauwerke aus der Wiederaufbauphase der DDR und damit auch eine ganz wichtige Zeugin der Nachkriegsgeschichte. Die ursprüngliche Gestaltung von Knobelsdorff und Langhans ist nur noch in Mauerwerksresten partiell vorhanden, und keiner wollte eine wie immer geartete Rekonstruktion wie beim Stadtschloss, sondern eine behutsame Überführung des Wiederaufbaus aus den 50er-Jahren in die Neuzeit. Paulick hatte mit seinem Entwurf die Sünden der Kaiserzeit behoben: den Bühnenturm verkleinert und die Fassade wieder auf die klassizistische Ausprägung nach Knobelsdorff zurückgeführt. Eine Rückbesinnung auf Paulick war daher schlüssig. Auch die Gestaltung der neuen Nachhallgalerie im Zuschauerraum haben wir aus dem Paulick’schen Formenrepertoire abgeleitet. Die Farbigkeit der Umgänge wurde wiederhergestellt: sehr schöne, zarte Farben. Das Rot in der Saaldecke wurde jedoch etwas zurückgenommen, um die neuen Elemente besser in die Substanz zu integrieren. Die Zuschauer suchen einen Ort, der voll ist mit Geschichte, großen Künstlern und einzigartigen Aufführungen – ich denke, das konnten wir mit der behutsamen Ergänzung und Restaurierung erreichen –, eine magische Atmosphäre, die man an solch einem Ort auch erwarten darf.

Ein Grund, warum das Projekt statt 2013 erst im Jahr 2017 fertig wird: Eine Sanierung ist oftmals ein Prozess und eine Gratwanderung zwischen denkmalpflegerischen Vorgaben, moderner Technik und dem Bestand. Wie sind Sie damit umgegangen? Was war die überraschendste Entdeckung während der Bauarbeiten?

Da sind zahlreiche Diskussionen nötig, viele haben bis heute leider nicht verstanden, dass sie in einem Denkmal planen und arbeiten und welche Bedeutung dieses Bauwerk für Berlin und für die Operngeschichte hat. Man muss furchtbar diplomatisch sein, was man manchmal ja gar nicht sein möchte … (lacht) Überraschend war zum einen, dass wir einen Tresorraum bzw. Bunker im Hof gefunden haben, und zum anderen, dass die Pfähle der Gründung viel weiter in die Tiefe führten, als die Archäologen aus den Voruntersuchungen erwartet hatten. Deshalb musste die gesamte Gründung des unterirdischen Bauwerks während der Bauarbeiten neu konzipiert werden. Doch viel wichtiger ist in solch einem Prozess, allen Beteiligten verständlich zu machen, dass sie auch noch einmal von vorne anfangen müssen. Da stimmen oft die Honorare nicht, und keiner hat es gerne, immer wieder von vorne anzufangen.

Was ist Ihr persönlicher Anspruch an diese große Bauaufgabe?

Ich will es mal so beschreiben: Wir stehen auf den Schultern zweier Riesen – Paulick auf den Schultern von Knobelsdorff und wir auf den seinigen –, da ist es schwer, nicht abzustürzen, aber der Blick ist umso weiter …

Objektdaten

  • Objekt Deutsche Staatsoper Unter den Linden, Berlin
  • Bauherr Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Berlin
  • Architekten hg merz architekten museumsgestalter
  • Projektleitung Gesamtprojektleiter Joachim Munzig/Lutz Schütter (Teilprojektleiter: Bauteil B: Thomas Greif, Bauteil C: Nursen Dasdelen, Bauteil D: Matthias Rempen), hg merz architekten
  • BGF ca. 49.731 m²
  • Planungsbeginn 2009
  • Baubeginn 2010
  • Fertigstellung 2017

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