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Fotos: Tobias Hein, Berlin

Urban Nation Museum for Contemporary Art Berlin

Street-Art im Museum? Das Urban Nation Museum scheut diesen Widerspruch nicht und möchte eine lebendige, dynamische Plattform für Künstler und Besucher aus aller Welt werden. Für das kurz auch Urban Nation genannte Museum plante GRAFT den Umbau eines fünfgeschossigen Wohn- und Geschäftshauses aus der Gründerzeit in Berlin-Schöneberg. Durch eine modulare Wechselfassade wird das Gebäude selbst zum Kunstwerk. Die Auftraggeber erhoffen sich positive Effekte für die Quartiersentwicklung.

Urban Nation Museum for Contemporary Art Berlin Street art GRAFT Architekten Foto Tobias Hein

Seit Beginn der 2000er-Jahre hat sich Street-Art zu einer respektierten Kunstform entwickelt. Doch nur vereinzelt gab es Versuche von Galeristen, Street-Art auch indoor auszustellen. Das im September 2017 eröffnete Haus für Urban Contemporary Art ist daher ein einzigartiges Projekt und wirft mit der Institutionalisierung einer Kunst, die nie in den Räumen von Institutionen stattfi nden wollte, auch Fragen auf. Für Museumsdirektorin Yasha Young handelt es sich allerdings um die konsequente Fortsetzung dessen, was auf der Straße passiert: „Das Haus soll ein Archiv sein, das eine Geschichte erzählt.“ Mit dem eigenständigen Begriff der Urban Art, in Absetzung von der Street-Art, sowie dem Schlagwort vom „impossible museum“ wird die Krux, die eine Ausstellung von Street-Art mit sich bringt, von den Beteiligten selbst ausgedrückt. Ein Museum, das aber auf keinen Fall eine normale Institution sein will – dieses Grundverständnis eröffnet viele Freiheiten für Künstler und Kuratoren und liefert Input für Debatten in der Szene sowie in Kulturinstitutionen generell. Darin lag auch der besondere Reiz des Projektes für die Architekten von GRAFT. Für Thomas Willemeit war die zentrale Frage, warum es sich in diesem Fall nicht um ein normales Museum handelt: „Es geht um unkonventionelle Kunst, die sich ihren Raum erobert, die es ermöglicht, Stadt neu zu entdecken. Es geht um die Brücke zwischen Kunst und Stadt. Dafür musste die Stadt ins Museum geholt werden. Und darum ist das klassische Berliner Wohnhaus in der Bülowstraße unserer Meinung nach auch der ideale Ort für ein solches Museum: kein Kunsttempel, sondern ein offenes Energiezentrum, immer bereit für Veränderung.“

Urban Art auf der Hauswand gibt dem Haus auch in Zukunft nicht nur ein immer neues Gesicht, sondern ermöglicht es auch zum weltweit ersten Mal, großformatige Fassadenbilder zu erhalten und auch an anderer Stelle zu zeigen.

Thomas Willemeit, GRAFT

Urban Nation Museum for Contemporary Art Berlin Street art GRAFT Architekten Foto Tobias Hein
Um Vertikalität zu erzeugen, wurden Teile des Obergeschosses ausgebrochen. Das soll hohe Stadtperspektiven simulieren, genauso wie der schwarze Bodenbelag an Straßenteer erinnern soll. Die „high line“ führt als Brücke durch das obere Geschoss und gibt vielfältige Perspektiven frei. Besonders ein Kunstwerk zeigt, wie weit die Freiheiten der Künstler reichen.
Urban Nation Museum for Contemporary Art Berlin Street art GRAFT Architekten Fassade Foto Tobias Hein

Für die Annäherung an Stadtperspektiven wurden vor allem Strukturen weggenommen und so Vertikalität erzeugt. Eine brückenartige „high line“ führt durch die zweigeschossigen Ausstellungsbereiche und ermöglicht vielfältige Perspektiven aus nah und fern auf die Kunstwerke. Jeder Quadratzentimeter kann durch die Künstler und Kuratoren genutzt und bespielt werden, durch Hängung von Leinwänden oder direkt auf der Wand. Auch wenn sich das Haus als Archiv versteht, bleibt die Flüchtigkeit der Street-Art Teil des Konzepts. Für die Künstler ergibt sich daraus maximale Freiheit, den Raum in Besitz zu nehmen, aber auch maximale Flexibilität, ihre Werke auf Wunsch anderswo auszustellen. Der Besucher kann die sich wandelnden Entdeckungsräume immer wieder neu erleben. Selbstverständlich wird auch die Fassade des Gebäudes von den Künstlern genutzt. Um auch hier eine höhere Flexibilität zu ermöglichen, entwickelte GRAFT eine innovative Wechselfassade aus Eternit-Modulen. Partiell austauschbar können die gestalteten Fassadenelemente später in die Sammlung des Museums aufgenommen und an anderer Stelle erneut gezeigt werden.

Objektdaten

  • Objekt Urban Nation Museum
  • Bauherr Stiftung Berliner Leben
  • Architekten GRAFT Gesellschaft von Architekten mbH
  • Entwurfsverfasser Lars Krückeberg, Wolfram Putz, Thomas Willemeit
  • Projektleiter/in Stefanie Götz, Denis Hegic, Anna Wittwer
  • Ausstellungsfläche 500 m²
  • Fertigstellung September 2017

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